Warum starke Gefühle keine Gegner sind – sondern Wegweiser
Aktualisiert: 28. Juli

Wenn Kinder wütend, traurig oder ängstlich sind, möchten wir sie als Erwachsene am liebsten sofort beruhigen. Deshalb sagen wir oft gut gemeinte Sätze wie:
„Das ist doch nicht so schlimm.“
„Davor musst du keine Angst haben.“ oder
„Jetzt hör auf zu weinen.“
Andere greifen zum Smartphone oder Tablet, um das Kind abzulenken.
Was all diese Reaktionen gemeinsam haben: Sie sollen das unangenehme Gefühl möglichst schnell verschwinden lassen. Das ist verständlich – hilft dem Kind aber oft nur kurzfristig.
Doch Gefühle lassen sich nicht wegdiskutieren oder einfach ausschalten. Sie wollen zunächst verstanden werden.
Verstehen statt beseitigen
Einfühlsame Begleitung beginnt mit dem Validieren von Gefühlen. Das bedeutet, dem Kind zu zeigen: „Ich sehe, was du gerade fühlst – und dein Erleben ist nachvollziehbar.“
Sätze wie
„Ich sehe, dass dich das gerade traurig macht.“
„Du bist richtig wütend, weil das unfair war.“
„Das hat dir Angst gemacht.“
vermitteln Sicherheit. Hilfreich ist es, das Erleben des Kindes in Worte zu fassen: „Du bist enttäuscht, weil du gehofft hast, dass es funktioniert.“ So lernt das Kind, Gefühle besser zu verstehen und zunehmend selbst zu regulieren.
Gefühle haben eine Funktion
Gefühle helfen uns, unsere Bedürfnisse, Werte und Grenzen wahrzunehmen. Sie geben Hinweise darauf, was uns wichtig ist und was wir gerade brauchen. Deshalb können sie – auch wenn sie unangenehm sind – wertvolle Wegweiser sein:
Gefühl | Mögliche Botschaft |
Wut | Ein wichtiges Bedürfnis oder eine persönliche Grenze wurde verletzt. Das Gefühl ist berechtigt – wie wir damit umgehen, können wir lernen. |
Angst | Etwas fühlt sich bedrohlich oder unsicher an. |
Trauer | Etwas Wertvolles ist verloren gegangen oder hat sich verändert. |
Langeweile | Die aktuelle Situation bietet zu wenig Bedeutsamkeit oder Anregung. |
Fazit
Kinder brauchen keine Erwachsenen, die jedes unangenehme Gefühl sofort lösen. Sie brauchen Erwachsene, die präsent bleiben, Gefühle ernst nehmen und ihnen Worte geben. So entsteht Co-Regulation – die Grundlage dafür, dass Kinder später ihre Emotionen selbst regulieren können.
Gefühle sind keine Gegner. Sie sind Wegweiser. Begleitung bedeutet nicht, Gefühle zu verhindern, sondern Kindern zu zeigen, dass sie auch starke Gefühle bewältigen können.




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